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Streifzug durch Madau

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Offline Kalle Eberle

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    • das 'alte' Außerfern
Aus: Zeitschrift des DÖAV (1911)

"...nach einer halben Stunde schritten wir der Kapelle zu, vorerst einen Blick in eines der der verlassenen, ­Jahrhunderte alten Bauernhäuser werfend. Ein modriger Geruch schlug uns entgegen, den Atem beklemmend. Tief durchlöcherter Fußboden, ein Fragment eines Bettes, in der Ecke die Ruine eines Tisches und ein „Herrgottswinkerl“. Wir verließen gern diese Stätte „menschlicher“ Kultur.

Nichtsdestoweniger möchte ich einiges über dieses verlassene Dorf der  Vergessenheit entreißen, wobei ich gleich an dieser Stelle Herrn Expositus Urban Draxl in Bach im Lechtale für die liebenswürdige Unterstützung den wärmsten Dank ausdrücke. Madau gehört zur politischen Gemeinde Zams, Bezirkshauptmannschaft Landeck. Es bestand früher aus acht, später aus sieben Höfen. Etwas bachaufwärts oberhalb der verlassenen Ansiedlung lag der „Rethhof“ und gegenüber die drei „Egghöfe“, die heute nicht mehr bestehen, an deren Stelle dermalen Heustadel aufgebaut sind. Alle drei gehörten zusammen. Der „Rethhof“ ist jedenfalls Namengeber für die weiter obenliegende „Rethalm“ gewesen und unzweifelhaft von ihm stammt der Name des Baches und Tales — daher „Rethbach“ und „Rethtal“ zu schreiben ist, und nicht „Röt“tal bezw. Rötbach. Das weltverlassene, in tiefster Ruhe liegende Dörfchen, das eine unglaublich schwierige Verbindung mit der Außenwelt hatte, ist schon sehr, sehr alt.

Leider reichen die pfarrämtlichen Aufzeichnungen in Elbigenalp nur bis zum 19.Juli 1619 zurück. Das Dörfchen war von sehr ergiebigen Wiesen und Bergweiden umgeben, und da die Nordwinde keinen Zugang haben, konnte, wie Spuren noch zeigen, auch Ackerwirtschaft betrieben werden. Madau war bis zum Ende des 18. Jahrhunderts bewohnt. Im Jahre 1782 ist die letzte Geburt und im Jahre 1789 der letzte Todesfall in den Matriken verzeichnet. 1905 brannten zwei Höfe ab, von denen einer wieder teilweise aufgebaut wurde. Die jetzigen Höfebesitzer ziehen im Herbste mit ihrem Vieh dorthin, um das gewonnene Futter an Ort und Stelle aufzufüttern. Am unbequemsten für die braven Madauer waren jedenfalls die kirchlichen Verhältnisse. Denn jeden Sonn- und Feiertag mußten die guten Leute drei Stunden weit nach Elbigenalp wandern, um die religiösen Gefühle zu befriedigen.

Trotz dieser großen Entfernung waren sie immer die ersten in der Kirche, wie der Chronist berichtet. Eigentlich gehörte Madau zur Pfarre Zams im Inntale, das Dorf wurde jedoch von jeher von Elbigenalp, beziehungsweise von Bach aus versorgt. Die Einwanderung scheint sonach vom Inntale her erfolgt zu sein. Im Jahre 1679 erbaute Oswald Singer von Madau daselbst eine Kapelle zum Gedächtnis für seinen durch eine Schneelawine verunglückten Sohn Michael.
Im Jahre 1743 wurde für diese Kapelle der Kreuzweg bewilligt. Der Pfarrer Schweninger von Zams hat für einen eigenen Priester in Madau 4000 Gulden gestiftet, weil er fürchtete, der Pfarrer von Elbigenalp könnte allenfalls einmal die Provision in Madau zurücklegen, in welchem Falle das Dorf dann von Zams aus versehen hätte werden müssen, was wohl unmöglich gewesen wäre. Die Madauer nahmen aber diese Stiftung nicht an, die nun in Zams selbst errichtet wurde. Im Jahre 1769 wollte Johann Falger, einstmaliger Kaplan von Vorderhornbach im Lechtale, mit Hilfe seines Vaters in Madau ein Benefizium stiften und selbst dorthin ziehen, vorläufig auf ein Jahr zur Probe. Jedoch auch das ist niemals zustande gekommen..."

Auszug aus - Zeitschrift des DÖAV (1877)

"...und betritt nun eine weite Thalmulde, die Mahdau. Noch zu Anfang dieses Jahrhunderts war dieser abgelegene Winkel bewohnt; die sechs Bauernhöfe stehen noch, aber sie dienen nur mehr zur Zeit der Heuernte den Mähern als Unterkunft..."


 

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