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Den Vater erschlagen

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Offline Kalle Eberle

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    • das 'alte' Außerfern
Innsbrucker Nachrichten vom 5. Dez. 1916

Die Tat eines Wahnsinnigen in Außerfern.
Aus Ehrwald erhalten wir von unserem dortigen Mitarbeiter die Meldung über eine entsetzliche Bluttat, die sich dort in der vorigen Woche zugetragen hat.

Die Tragödie ereignete sich im Dorfe Lähn zwischen Reutte und Ehrwald, in dem an der Karwendelbahn gelegenen kleinen Dörfchen, welches von den lawinengefährlichen Hängen (Lahn, Lähn) seinen Namen erhielt.

Am Samstag fanden Leute den Maurerpolier Josef Fasser tot auf der Ofenbank in der Wohnstube seines Hauses. Der Mann war keines natürlichen Todes gestorben, das sah man auf den ersten Blick, denn die Stube war mit Blut
besudelt.

Der tote Mann zeigte schwere Verletzungen am Rücken und eine starke Wunde am Kopfe. Es war kein Zweifel mehr darüber: Hier lag ein Mord vor. Die Tat war mit einer Axt geschehen; ein Hieb hatte die Nase vom Gesichte getrennt und die Wunde am Kopfe rührte ebenfalls von einem starken Schlage mit dem Beile her.
Die Bluttat dürfte schon am Freitag vorgekommen sein, aber erst später entdeckte man das Schreckliche.

Der Sohn will den toten Vater erwärmen.
Die Untersuchung ist sofort eingeleitet worden. Als Täter kommt nur der Sohn des Poliers Fasser in Betracht, ein geistesschwacher Mensch, der schon einige Zeit im Irrenhause zu Hall zugebracht hatte und die Tat zweifelsohne in einem neuerlichen Anfalle von Wahnsinn ausgeführt hatte.

Nach den verhängnisvollen Axthieben, welche dem alten Fasser den Tod brachten, legte der Sohn den toten Vater auf die Ofenbank. Dann heizte er den Ofen ein, unablässig, Tag und Nacht schürte der Geisteskranke nach, so daß dies den Nachbarn doch auffiel. Der junge Fasser wurde deshalb auch von den Leuten wiederholt befragt, warum er denn heute gar so viel Holz einheize: Und da gab der Geisteskranke, der seinen Vater erschlagen hatte, zur Antwort: Dem Vater friert, er muß hübsch warm haben!

Die Behörde beschäftigt sich natürlich angele­gentlich mit dem Vorfalle.


Bichlbach und die Zunftkirche St. Josef - Verlag J. Heimhuber (vmtl. 1913?)


 


 

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