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Kelten oder Räter - wer tummelte sich im eisenzeitlichen Außerfern?

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Offline Kalle Eberle

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    • das 'alte' Außerfern
Welche der eisenzeitlichen Ethnien waren wohl häufiger im Raum des heutigen Außerfern anzutreffen?

Bekannt sind Artefakte beider Gruppierungen, wie etwa die rätische Votivfigur im Bereich der Imster Ochsenalpe oder aber die vorwiegend keltischen Funde rund um den Knobel bei Weißenbach. Wie weit reichten aber deren Einflüsse in die Täler hinein bzw. heraus?

Wie groß wäre wohl die Funddichte ohne landwirtschaftliche Nutzung der Flur, ohne Kulturlandgewinnung, ohne Raubgräber und "Souvenierjäger"?
« Letzte Änderung: 09.03.2021, 19:04:10 von Kalle Eberle »


Offline civisburoniae

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Servus Kalle,

mir stellt sich die Frage, ob das Außerfern in der vorrömischen Eisenzeit überhaupt ständig besiedelt war. Abgesehen von ein paar Sennen und Hirten, die wohl eher über die Jöcher und über den Fernpass aus dem Inntal als aus dem Alpenvorland gekommen sind, wird es nicht viele Menschen gegeben haben. Sicher war es auch ein Durchzugsland für ein paar Händler (und Plünderer), die über die Pässe in den Süden gezogen sind, aber sicher nicht in dem Ausmaß wie danach in der Römerzeit.
Für dauerhafte keltische Besiedelung fehlen meines Wissens die Belege. Es gibt weder hallstattzeitliche Hügelgräber noch spätlatènezeitliche Viereckschanzen. Bei der Schanze in Pinswang unterhalb des Schlosses im Loch hat man jedenfalls bei einer Grabung keine Hinweise auf eine eisenzeitliche Zeitstellung gefunden.
Wovon hätten die Menschen auch leben sollen? Das Klima ist viel zu rauh, als dass der Ackerbau sich gelohnt hätte. Die Niederungen am Lech waren ohne Hochwasserschutz  vermutlich ein bei jeder Gelegenheit überflutetes Sumpfloch. Wenn hier in Kaufbeuren im Frühjahr die Wiesen schon grün sind, liegt im Außerfern noch lange Schnee.
Die bronzene Adorantenfigur von der Imster Ochsenalpe erinnert mich übrigens in Haltung, Gesichtsausdruck und wegen der "Nieten" im Brustbereich stark an die Trägerfiguren der sog. Kline des keltischen Fürsten von Hochdorf. So wird der Adorant mal als rätisch mal als keltisch kategorisiert. Die kleine Adorantenfigur habe ich übrigens vor ein paar Jahren im  Ferdinandeum in Innsbruck gesehen. Ich war überrascht, sie dort zu finden, da ich irgendwo gelesen hatte, dass das Original sich im  Museum in Imst befinde. Vielleicht war das Exemplar im Ferdinadeum also nur ein Abguss.
« Letzte Änderung: 11.04.2021, 15:54:55 von civisburoniae »


Offline Kalle Eberle

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    • das 'alte' Außerfern
Hallo Ralf

Eine ständige Besiedlung meinte ich dabei eigentlich auch nicht. Ich bin auch der Meinung, dass es sich hier um Streifzüge während der Jagd oder die Beweidung der Täler und Wiesenflächen gehandelt hat. Interessant finde ich in diesem Zusammenhang die Weganlage bei Pfronten hinein in das Engetal (offenbar hallstattzeitlich) oder den Knobel bei Weißenbach (ebenfalls eisenzeitliche Funde). 


 

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