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Der Tod des Fritz Strohschneider

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Offline Kalle Eberle

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Grazer Volksblatt vom 21. Juli 1911

Auf dem Aggenstein in den Allgäueralpen ist am 17. Juli der Volontär der Wiener Hofbäckerei Fritz Strohschneider abgestürzt. Strohschneider hatte sich beim Edelweißpflücken zu weit vorgewagt, verlor den Halt und stürzte einen Abhang in 50 Meter Tiefe hinab, wo er mit zerschmettertem Kopfe tot liegen blieb. Die Leiche blieb zwei Tage an der Unglücksstelle und konnte erst am 19. Juli von einer Rettungsexpedition gefunden werden. Sie wurde nach Grähn gebracht und dort beerdigt.

Der Aggenstein ist ein 1983 Meter hoher Berg ganz an der Grenze von Schwaben gelegen. Er bietet keinerlei touristische Schwierigkeiten, die Wege zum Gipfel sind leicht und gut markiert. Man kommt von der Haltestelle Schönbichl nach einer halben Stunde nach Pfronten-Steinach, von wo ein schöner Weg in etwa 3,5 Stunden zur Pfrontener Schutzhütte führt. Von da ab bedarf es nur noch einer halbstündigen Wanderung auf gutem Wege zum Gipfel, der um der großartigen Aussicht willen, die man von da aus auf das Ammergebirge, die Zugspitze, die Mieminger- und Tannheimerberge, Lechtaler, Schweizerberge, Scesaplana, den Bodensee genießt, ein vielgesuchtes Ausflugsziel, besonders von Nichthochtouristen ist. Über steile Rasenhänge führt ein Weg nach Grähn hinunter.

Die Partie ist an sich ganz und gar ungefährlich, nur Edelweißsuchern, die den Weg verlassen, droht Gefahr. Und dieses drohenden Schicksal scheint Strohschneider beim Suchen nach den weißen Blütensternen zum Opfer gefallen zu sein.

Fritz Strohschneider stand im 21. Lebensjahre und hat vor zwei Jahren beim 7. Inf.-Reg. mit bestem Erfolge sein Einjährig-Freiwilligenjahr absolviert und war mit 1. Jänner 1910 zum Reservekadetten beim 79. JR. in Fiume ernannt worden. Er studierte dann Philosophie, unterbrach aber sein Studium und trat als Volontär in die Wiener Hofbäckerei ein um die Technik des Gewerbes kennen zu lernen, da er ausersehen war, dereinst die väterliche Bäckerei und die Leitung der Hauptmühle zu übernehmen.


Grähn um etwa 1910 - Verlag J. Heimhuber


 Fritz Strohschneider war der Sohn des Lorenz Strohschneider, Inhaber der Wiener Hofbäckerei

 
« Letzte Änderung: 29.07.2021, 21:33:14 von Kalle Eberle »


 

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