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Über die Wanderungen der Tyroler

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Offline Kalle Eberle

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    • das 'alte' Außerfern
Aus: Österreichische Monatsschrift - März 1793

"...reicher als die wandernden Handelsleute aus Tesino und Mittewald, aber auch karger (weil sie wissen, welchen hohen Preis jeder Pfennig in ihrem höchst unfruchtbaren Thale hat,) sind die Bewohner des Lechthales, welche mit kleinen Spielereyen, als da sind die Nürnberger Quincaillerie-Waaren, ihren Handel bis nach Holland treiben, und selbst in Amsterdam, in Haag u. s. f. Buden aufschlagen. Oft sind die Lechthaler zwey Jahre nach einander vom Hause entfernt, ja fast wollt' ich behaupten, es sey kein einziger Greis, zumahl im Ober-Lechthale, der nicht wenigstens zehn Jahre während seiner ganzen Lebenszeit außer Tyrol zugebracht hätte. Daher kommt es, daß die Dörfer des Lechthales zur Zeit des Spätherbstes, in welcher auch die nach Maria Einsiedlen wallfahrtenden Lechthalerinnen abwesend sind, dem menschenfrohen Wanderer wie ausgestorben scheinen; daher kommt es ferner, daß, wenn man zu einer andern Jahrszeit, z. B. im Februar, sich in diese schaudervollen Klippen wagt, man oft in einem einsamen Felsenhäuschen unter der lodenen Bauerjacke (die der Lechthaler-Handelsmann wieder anzieht, so bald er in seinen Geburtsort kommt,) einen Mann von ungemeiner Geistesgegenwart und Menschenkenntniß nicht ohne Verwundern kennen lernt..."

Ansicht von Holzgau - Foto: J. Heimhuber - 1907


 
« Letzte Änderung: 17.05.2022, 19:25:15 von Kalle Eberle »


 

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