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Schneller und seine Deutung der Ortsnamen Pfafflar und Bschlabs

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Offline Kalle Eberle

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Streifzüge zur Erklärung tirolischer Ortsnamen; Christian Schneller (1870)
bschlabs pfafflar
Bschlabs

boden pfafflar
Boden

pfafflar
Pfafflar

...so kommen wir zu einem Dörfchen Boden und steigen dem Hochtennen zu hinauf nach Pfafflar, einem ganz alpenhaften Dörfchen, das nur im Sommer bewohnt wird; denn im Winter ziehen die Bewohner aus ihrer kühlen Sommerfrische nach Boden hinab. Die Ortsethymologen behaupten, der Ortsname komme daher, daß lange Zeit keine Seelsorge im Thale bestanden habe, und sei "Pfaff lar", das ist "von Pfaffen leer".  Der Romanist behauptet, Pfafflar sei einst eine den alten romanischen Imstern zugehörige Alpe mit Wiesen gewesen und habe pabular, das ist lateinisch pabularis, in Verbindung mit einem passenden Substantiv, also zu deutsch Futteralpe, am wahrscheinlichsten Futterthal, Futterdorf oder ähnlich geheißen. Erst später hin siedelten die Leute sich in Boden und anderthalb Stunden weiter gegen Lechthal hin in Bschlabs an, und die ganze Gemeinde heißt daher nicht Bschlabs, sondern Pfafflar.

Bschlabs - grauenvoller Name, vor dem selbst die kühnsten Keltisten und Etruskomanen scheu Reißaus nehmen. Der Romanist aber hört den alten guten fast klassischen Klang deutlich heraus. Geht man von Boden nach Bschlabs, so überschreitet man zuerst den Thalbach, dann ein zweites Bergwasser - Bschlabs ist daher ein entstelltes passa l'aves (übermorgen). Wenn nun die Bschlabser sich von ihrem sprachlichen Ungeheuer befreien wollen, brauchen sie ihr Dorf einfach Ueberwasser zu nennen und dürfen sicher sein, das Rechte getroffen zu haben...
« Letzte Änderung: 16.03.2022, 21:52:51 von Kalle Eberle »


 

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