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Geschichts-Schnipsel / Der Kathreine-Dinzeltag in Imst und die Salzstraße
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 28.11.2021, 14:34:00 »
Aus: Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 26. November 1915

Aus Imst wird uns unter dem 25. ds. geschrieben: In alter Zeit, als das Haller Salz per Achse in großen Mengen über den Arlberg hinaus in die Schweiz, über den Fern- und den Gachtpaß durchs Tannheimertal nach Sonthofen und den süddeutschen Handelsplatz Augsburg geliefert wurde, gab es in Hall, Innsbruck, Zirl, Flaurling, Telfs, Mötz, Imst, Nassereith und Landeck große Salzdepots. Etappenlager, von denen aus das Salz durch eigene Fuhrleute weitergeführt wurde.

Dieses Salzfahren war ein ertragreiches Geschäft, denn die Haller Saline zahlte zum Beispiel für die Beförderung des auf sogenannten Kipfwägen in Fässern verführten Salzes, das sie vertragsgemäß in die Schweiz zu liefern hatte, per Faß für die Strecke Imst—Landeck 1 Gulden und 1 Groschen. Infolgedessen war das Salzfahren eine vielbegehrte Arbeit, die, um Streitigkeiten zu vermeiden, von der Imster Marktgemeinde im Turnus unter die Fuhrwerksbesitzer vergeben wurde. Das gegenwärtige Imster Ratshaus war damals in seinem rückwärtigen Teile als Salzdepot eingerichtet und vom sogenannten Eisplatz führte eine mächtige, gewölbte Stadlbrücke in den „Salzstadl", sodaß man mit den Salzfuhren direkt, von der ebenen Erde in das erste Stockwerk desselben einfahren konnte.

Bei der guten Bezahlung, welche die Saline für die Beförderung ihres Salzes leistete, konnte dieselbe natürlich auch fordern, daß diese Beförderung einwandfrei vor sich gehe und so wurde jeder Fuhrmann ganz emp­findlich gestraft, der eines oder das andere der ihm anvertrauten Salzfässer in beschädigtem Zustand ablieferte. Schon für einen abgesprengten Reifen mußten 2 Kreuzer „Pön", für eine eingedrückte Faßdaube 1 Groschen und für einen eingedrückten Faßboden noch mehr an Entschädigung gezahlt werden. Nun waren die alten Fuhrleute aber ziemlich bequem, schliefen auf ihren Kipfwägen und wußten sich vor dem Hineinfahren ihrer Deichsel in das vielleicht vor ihnen gehende Salzfuder nur dadurch zu schützen, daß sie ihre Deichsel aus einem krumm nach aufwärts ragenden Holz fertigten, welches sich beim Aufstoßen auf das Fuhrwerk vorn selbständig in die Höhe schob.

Der letzte aktive Salzfuhrmann, den man in Imst kannte, ist der vor einigen Monaten hier verstorbene Sebastian Dönig, vulgo „Liesler Wöscht" gewesen. Die Salzfuhrleute besaßen ihre eigene Bruderschaft und errichteten sich anfangs des vorigen Jahrhunderts einen eigenen Salzstadl, der von jenem der Gemeinde unabhängig war. Derselbe stand neben dem Gasthof „zur Krone". Der Gastwirt „zur Krone", ein Herr v. Plawen, war auch der Gründer der heute als pietätvoll gehütetes Ueberbleibsel bestehenden Fuhrleutegenossenschaft, die im Jahre 1835 ihr Statut erhielt, das gegenwärtig noch in Geltung steht. Daß die Fuhrleutegenossenschaft schon früher existierte, geht daraus hervor, daß das Statuten ein Kapital aufzählt, zu dem schon viel früher der Grundstock gelegt worden sein muß. Dieses Statut bestimmt auch, daß die Fuhrleutebruderschaft alljährlich am Katharinatag in der Imster Pfarrkirche einen feierlichen Gottesdienst mit darauffolgendem Dinzeltag abzuhalten habe. Die heilige Katharina ist bekanntlich zu Tode gerädert worden und deshalb haben die Fuhrleute sie zu ihrer Schutzheiligen erkoren und begehen den Katharinatag als ihren Feiertag. [vergleiche dazu die Geschichte von Lermoos]

Heuer wurde der Fuhrleute-Dinzeltag im Gasthof „zum Hirschen" abgehalten. Bei demselben hielt der Bruderschaftsmeister, Herr Alois Walch, Obmann der landwirtschaftlichen Bezirksgenossenschaft Imst, einen interessanten, die Vergangenheit des Salzfuhrleutewesens streifen den Vortrag und ein kleines Mahl beschloß den Erinnerungstag.


bei der Stegmühle nahe Rauth - Foto: Andreas Gehring - die alte Salzstraße dürfte etwas weiter östlich am Hang oben verlaufen sein


 
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Bach / Zum Tode Apollon Scheidles (1938)
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 26.11.2021, 18:20:11 »
Innsbrucker Nachrichten vom 18. Juli 1938

In Obergiblen im Lechtal starb am 15. d. M. der weitbekannte Bauer und Erfinder Apollon Scheidle im 85. Lebensjahre. Schon in seiner Jugend erhielt er in der Zeichenschule des berühmten Litographen und Graveurs Anton Falger in Elbigenalp die Anregung für sein späteres Schaffen als Mechaniker und Erfinder.
Nach jahrelanger Tätigkeit in der Jenbacher Eisenfabrik ließ sich Scheidle in Obergiblen häuslich nieder. Er richtete sich eine mechanische Werkstätte ein, beteiligte sich an Weg- und Brückenbauten im ganzen Lechtal und vollendete seine Fahrradpläne. Sein Luftpneumatikrad, das erste dieser Art, brachte ihm 1893 bei der Landesausstellung in Innsbruck die große silberne Medaille ein. Später hatte der rastlose Mann ein neues Arbeitsfeld gefunden, er schuf die Grundlagen des modernen Fremdenverkehrs im Lechtal. Er legte selbst die Bergführerprüfung ab, erbaute die Memminger Hütte, legte die Wasserleitungen der Ansbacher und Hanauer Hütte an und überwachte den Bau von Höhenwegen als erstklassiger Kenner seiner heimatlichen Berge.
Auch im Leben der Gemeinde Obergiblen spielte Apollon Scheidle eine maßgebende Rolle. Er war lange Jahre im Gemeinderat und bei den verschiedenen Vereinen an führender Stelle.


Memminger Hütte mit einem ersten Anbau um etwa 1920


Frage: Hat vielleicht jemand ein Foto bzw. eine Abbildung, welche Apollon Scheidle zeigt und würde diese zur Verfügung stellen?

Vielen Dank  :)

 
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Reutte / Als die Ritsche verschwand
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 14.11.2021, 10:54:08 »
Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 29. April 1936

reutte obermarkt
im Obermarkt ist die Ritsche 1915 bereits verbaut - übrig geblieben sind die Brunnen

reutte untermarkt 1937Kanalisierungsarbeiten im Untermarkt (Beginn 1936)
Mit der Kanalisierung in Reutte — so schreibt man uns — verschwindet die Ritsche, die sich schon seit Jahrhunderten mitten durch den Markt zieht. Sie schlängelt in vielen Biegungen von der Lähn bei Reutte zur Neumühle herunter und führt in einem weiten Bogen durch die ebenen Felder ihre Wassermassen bis an den Markteingang, an die Kög, heran. Dort wird sie unterirdisch weitergeleitet längs der Straße, am Lindenbaum vorbei und bleibt unsichtbar bis zum Gebäude des Elektrizitätswerkes, von wo sie als offenes Bächlein sich an der Hauptstraße entlang ein Stück weit durch die Au zieht und sich dann wieder in die Felder ergießt, um endlich in den Lech zu münden.

Wenn wir heute durch die Straße des Marktes schlendern und an die Kanalisierungsbauten stoßen, so sehen wir an der Straße eine Menge ausgehobener Steine liegen. Es ist interessant zu wissen, daß diese Steine zu einem beträchtlichen Teil von der altehrwürdigen und sagenumwobenen Festung auf der Klause bei der Ruine Ehrenberg stammen. Ge­nau wie dies dürfte auch ein Großteil der Reuttener und Außferner Bevölkerung nicht wissen, daß die Ritsche nicht immer das gleiche Bild zur Schau trug wie jetzt. Früher war sie mit Holz ausgetäfelt, was auch heute noch an manchen Stellen sichtbar ist. Die Ritsche floß bis weit in das letzte Jahrhundert herauf offen durch Reutte, in den Siebzigerjahren des letzten Jahrhunderts wurde dann ihre Ueberdeckung vollendet.

Die Ansicht eines Heimatforschers, daß die Ritsche erst Anfang des 19. Jahrhunderts erbaut worden sei, entspricht wohl nicht den Tatsachen, da bereits im Jahre 1635 eine Beschwerde beim Gericht Ehrenberg eingebracht wurde. Darin wird angeführt, daß das Wasser der Ritsche in das Haus des J. Schneider im Obermarkt (heute ist dieses Haus im Besitze des Schneidermeisters A. Kögl) eindringe und besonders im Keller einbreche, weshalb der Besitzer die hohe Obrigkeit um baldige Abhilfe bitte. Bis in einem Jahre wird man in Reutte von der Ritsche wohl nicht mehr viel sehen und die heran­wachsende Generation wird nach Jahren kaum mehr wissen, daß sich einst mitten durch Reutte ein Bach hinzog, unterirdisch geleitet, der den dringenden Anforderungen der Neuzeit weichen mußte.
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Reutte / Die Veste Ehrenberg bei Reutte
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 11.11.2021, 21:01:37 »
Aus den Innsbrucker Nachrichten vom 7. August 1897

ruine ehrenberg katzenberg
die Ruine Ehrenberg
Südöstlich von dem ansehnlichen Marktflecken Reutte an der tirolisch-baierischen Grenze erhebt sich der kegelförmige, freiaufragende Tauernberg, während sich im Westen, fast einen Halbkreis beschreibend, die Aschauerberge hinziehen. Fast in der Mitte in südlicher Richtung ragt der Turnelle — eine kahle Kalkpyramide — empor, an dessen Fuße ein Mittelgebirge als Vorschub gegen Reutte hin sich lagert.

Dies Mittelgebirge ist durch eine Senkung, durch welche die Poststraße von Reutte über Lermoos und den Fernpass ins Oberinnthal sich durchschlängelt, und durch welche seit dem Jahre 1858 eine bequeme Fahrstraße gebahnt worden, in zwei Theile geschieden und bildet für sich schon von Natur aus einen wichtigen Engpass, welcher nach und nach durch menschliche Kunst zu einem der festesten Punkte des Landes umgeschaffen wurde und, schon seit dem grauen Mittelalter, unter dem Namen „Klause und Veste Ehrenberg" bekannt, dem damit verbundenen Gerichte seinen Namen gegeben hat.

Links von der Straße auf einem vorspringen­den hohen Felsen erhoben sich später die Werke der Hochschanze oder das „Fort Claudia", im Thale darunter, wo es sich schluchtenartig verengt, stand gegen tausend Meter hoch über dem Meere die den Weg und die ganze Thalschlucht sperrende Klause mit großen Gebäuden — noch im vorigen Jahrhundert mit massigen Bollwerken versehen und vom Schlosscommandanten mit zwei Compagnien Soldaten bewacht. Rechts davon auf gebietender Höhe behauptete Schloss Ehrenberg, von zahlreichen Vorwerken umgeben, seinen Platz, und westlich vom Schlosse noch höher oben, ragt ein alles beherrschender Felskamm, gekrönt mit den Ueberresten der zuletzt entstandenen Festung (genannt der „Schlosskopf") ehrfurchtgebietend noch in den massenhaften Ruinen, stolz empor, eine schöne in die weite Ferne reichende Aussicht gewährend.

Die Gründung der Veste Ehrenberg verliert sich in das Dunkel der Vorzeit. Möglicherweise legten schon die Römer hier Befestigungen an. 1293 wird der erste Schlosshauptmann erwähnt. Aber erst seit dem 16. Jahrhundert beginnt die Festung für Tirol wichtig zu werden. Früher samt der dazu gehörigen Herrschaft verpfändet, wie z. B. von Maximilian I. an die Fugger, wurde sie Anno 1546 von dem Schmalkaldenführer Schärtlin von Burtenbach genommen und besetzt, zwei Monate später aber von den Tirolern zurückerobert. Auch Moriz von Sachsen nahm am 19. Mai 1552 die Klause im Sturme, während die Festung selbst andauernden Widerstand leistete.

Als im Jahre 1632 die Schweden Tirol immer mehr bedrohten, wurde Ehrenberg neuerdings in Vertheidigungszustand gesetzt, die Besatzung verstärkt und alles aufgeboten, dem Feinde einen warmen Empfang zu bereiten. Erzherzog Leopold V. als damaliger Tiroler Landesfürst erschien selbst, um die Vertheidigungsanstalten zu leiten, und deckte mit seinen Kleinodien die Auslagen. Ihm folgten am 14. Juni die Bergknappen von Schwaz und 12000 Mann Kriegstruppen. Bereits standen 16000 Schweden und 200 Franzosen am 20. Juni in Füssen. Erzherzog Leopold nöthigte sie jedoch mit seinen Truppen und den Tiroler Landesvertheidigern am 17. Juli zum Rückzüge. Aber Herzog Bernhard von Weimar rückte zehn Tage später mit frischem Kriegsvolke heran, schlug die Tiroler ins Gebirge zurück, eroberte die Vorwerke am Lech im Sturme und lagerte sich auf der Ebene von Reutte. Die von den Tirolern kräftigst vertheidigte Klause von Ehrenberg steckte indes seinem Siegesfluge ein unverhofftes Ziel, er musste schließlich mit großen Verlusten schmählich aus dem Lande weichen. Nicht glücklicher war der Schwedeneinfall unter dem Feldmarschall Gustav Wrangel im Jahre 1646. Bereits war von den Feinden der Lech überschritten, Füssen erobert, die Ebene von Reutte gewonnen, Frauen und Kinder auf der Flucht. Aber ein kleines Häuflein Tapferer vereitelte die feindlichen Stürme auf die Festung Ehrenberg, zurückgeworfen bog der Marschall seitwärts aus nach Feldkirch, wo dann nach einiger Zeit der Friede seine weiteren Kriegsunternehmungen einstellte. Den höchsten Grad von Berühmtheit erhielt die Festung im Kriege des Jahres 1703. Als nämlich damals der Curfürst Maximilian Emanuel von Baiern in der Erbfolgefrage des spanischen Reiches rivalisierend gegen Oesterreich auftrat, entbrannte der Krieg fast gleichzeitig in ganz Nordtirol. Graf Lützelburg erschien am 29. Juli 1703 plötzlich mit einer Schar Baiern vor der Veste Ehrenberg und nahm sie nach einigem Kanonieren durch Capitulation. Die Baiern verhielten sich darauf unter dem Commandanten Baron Heiden mehrere Wochen lang ganz still im eroberten Platze ohne Kampf und Ungebür gegenüber der Nachbarschaft. Eine schwache österreichische Truppe stand unter dem Hauptmann von Koppenhagen zu Heiterwang, ohne indes ernstliche Miene zu machen, die Festung dem Feinde wieder abzugewinnen. Da kam nun aber der kaiserliche Feuerwerker Ferdinand Schieferer auf den Gedanken, die Einnahme derselben von einem höher gelegenen Gebirgskopfe, später „Schlosskopf" genannt, zu versuchen und auszuführen.

Am 29. Juli thaten sich dann auch wirklich die ehrenbergischen Gerichtsunterthanen, sturmlustige Bauern, unter der Anleitung des genannten Feuerwerkers mit Beihilfe eines österreichischen Fähnrichs und sieben Unterofficieren zusammen, und bahnten einen Weg bis auf den Schlosskopf hinauf, der ob Rieden waldreich emporsteigt. Sie schafften vier Geschütze mit eisenbeschlagenen Holzröhren bis auf die bewaldete Höhe und beschossen das Schloss so glücklich, dass die bairische Besatzung am 8. August einen Vergleich zum Abzug schließen musste. Der letztere erfolgte mit klingendem Spiele, mit Waffen und Brotvorrath unter kriegerischer Ehrenbegleitung. Die Ehre eines solchen Abzuges konnte jedoch den unglücklichen Commandanten nicht vom Tode retten, er wurde vom bairischen Kriegsgericht zum Tode verurtheilt und bald darauf zu Mittenwald ent­hauptet. Nun wurde der „Schlosskopf", dessen hohen Wert die Affaire vom Jahre 1703 zur Genüge bekundet hatte, anno 1741 befestigt und regelmäßig ausgebaut mit einem Aufwande von 3000000 Gulden. Dadurch erhielt die Festung Ehrenberg ihre vollständige Ausgestaltung, sie bestand jetzt aus der Klause am Heerwege, dem darüber liegenden Schlosse und dem soeben genannten Schlosskopfe, kunstreich in einander eingreifend, einander wechselseitig unterstützend. Die Klause am Wege war ein weitläufiges Gebäude mit zwei Compagnien Besatzung und eigener Kapelle zur Sonntagsmesse, das Schloss hatte, wie Beda Weber in seinem Werke über Tirol schreibt, drei bis vier Stockwerke, mit vier Kasernen, sechzehn Officierszimmern, drei Bäckereistuben, einer Kapelle, einem Krankenhause, und ausgerüstet mit vielen Waffen, 56 Kanonen und Lebensmittel für 600 Mann auf mehrere Jahre. Es hatte überdies zwei verborgene Gänge zu Ausfällen, einen schönen Exercierplatz und zwei Brunnen.

Im Schlosskopfe befanden sich zu Friedenszeiten 18 Kanonen und eine gut bestellte Niederlage von Lebensmitteln, aber leider kein Wasser, man musste sich mit Schnee und Regenwasser behelfen. Da diese Erweiterung der Festung sich immer mehr vom eigentlichen Zwecke Ehrenbergs als Gerichtssitz entfernt hatte, so wurde der Hauptmann des Schlosses als solcher im eigenen Bereiche eingesetzt und bloß auf militärische Geschäfte beschränkt; für die Rechts- und Richterangelegenheiten trat ein unabhängiger Beamter und Pfleger zu Reutte in Thätigkeit. Der letzte ständige Schlosscommandant von Ehrenberg war Johann Philipp von Hesberg, Oberstlieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, gestorben zu Reutte im Jahre 1786. Kaiser Josef II. hatte beschlossen, alle Festungen des Landes als dem neuen Kriegssystem nicht mehr anpassend aufzuheben, zu diesem Ende wurde auch Schloss Ehrenberg sammt der Klause im Jahre 1783 an zwei Bürger von Reutte um den Preis von ganzen 17000 Gulden verkauft. In der Klause siedelten sich mehrere Familien an, es entstand eine Schenke und in einer Bastei wurde ein Bierkeller gebaut.

Aehnliches Schicksal erlitten die Vorwerke; das Fort „Claudia" oder die Hoch­schanze zunächst am Flügel des Passes wurde um 80, das Vorwerk am „Kühloch" um 100, das Sternschänzel um 180, das Lechschänzel um 150 Gulden verkauft. Zur Zeit der Franzosenkriege erwachte jedoch wieder das Gefühl des Volkes für die Nothwendigkeit dieses Bollwerkes an den natürlichen Engpässen des Landes. Im Jahre 1796, als General Moreau in Deutschland, Napoleon in Italien die Siege der französischen Republik unaufhaltsam verfolgten, da wurden unter der Oberleitung des Grafen Lehrbach Ehrenbergs Verschanzungen auf Kosten der Tiroler Landschaft nochmals in möglichst brauchbaren Stand gesetzt und vom Außferner Landvolke besetzt. Die Republikaner streiften schon an die westliche Landesgrenze, Willens in Tirol einzufallen. Der österreichische Feldmarschall-Lieutenant Fröhlich jedoch, und unter ihm General Wolf, rückten ihnen über Reutte hinaus entgegen, griffen sie bei Weißenbach unweit der Grenze an und schlugen sie am 13. September so nachdrücklich zurück, dass sie in diesem Kriege keinen Versuch mehr machten, die Tiroler Berge von der Lech-Gegend her anzugreifen. Das Unglück der österreichischen Waffen im Jahre 1800 brachte aber die Veste Ehrenberg dann doch in die Gewalt der Feinde und nun wurden alle diese Plätze endgültig zerstört; seit dieser Zeit schwindet auch ihre Wichtigkeit aus der Geschichte des Landes.

Sie stehen größtentheils als Ruinen in der herrlichen Gegend und erinnern den Alpenfahrer schon bei seinem Eintritt in die gefürstete Grafschaft an die Heldenthaten, durch welche die Bürger und Bauern Tirols all die Jahrhunderte her die schöne Bergheimat hüben und drüben der Alpen­pässe gegen feindliche Anstürme vertheidigten.


der Torbogen bei der Klause Ehrenberg - Foto: Ludwig Reiter - ca. 1940er Jahre


 
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Reutte / Von herabfallendem Eisstück erschlagen (1923)
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 11.11.2021, 19:39:06 »
Aus dem Allgemeinen Tiroler Anzeiger vom 4. Januar 1923

Von einem herabfallenden Eisstück erschlagen. Der Hausknecht des Gasthofes "Zum Mohren" in Reutte wurde von den vom Hausdache herabfallenden Schnee- und Eisstücken am Kopfe getroffen. Der Arzt legte ihm einen Verband an und der Verwundete fühlte sich nicht schlecht. Als er nach einiger Zeit zu Bett gegangen war und man Nachschau hielt, fand man ihn dort tot.

der Mohrenwirt im Untermarkt - Foto: Müller (Erich Sonnweber) - vmtl. 70er Jahre


 
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Reutte / Dengelhaus
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 11.11.2021, 18:39:10 »

Aufnahme: Ludwig Reiter (1937)
Das Dengelhaus wurde im Jahr 1704 von Johann Ammann, Handelsfaktor in Reutte, offenbar auf der Basis eines Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert, erbaut und großzügig als Geschäftshaus und Gastwirtschaft "Zum schwarzen Bären" ausgestattet. Ammann erwarb im Jahr 1719 darüber hinaus das halb verfallene Bad Kreckelmoos, mit dem dazugehörigen weitläufigen Grundbesitz gestaltete er das Gebäude maßgeblich um. Dieses Aussehen hat es bis heute - wenn auch nicht in seiner Bestform - beibehalten.  Ammann brachte das uralte Bauernbad wieder zu ausgesprochener Geltung. Eine Marmortafel mit Wappen am Hauptportal des Dengelhauses erinnert an dieses Geschlecht der Ammann, dessen Grabstätte sich im alten Arkadenfriedhof in Breitenwang befindet.

Der ganze wertvolle Besitz ging dann auf die aus Ber­wang stammende Familie Strele (Strelle) von Strahlburg und Löwenburg über, die sich, wie die Ammann, „Inhaber des Kreckelmooses" nannten. Die Strele betrieben ein Großhandelsgeschäft, waren Bierbrauer und Wirte. Die in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erneuerten Fresken an den Hausfassaden reichen in das Ende des 18. Jahrhunderts zurück.

Die Familiengrabstätte der Strele befindet sich in der von ihr erbauten Arkade des Friedhofes zu Breitenwang. Diese reichbegüterte Familie erlebte einen raschen Abstieg. Die letzten direkten Nachkommen des Reuttener Zweiges der Strele starben im Armenhaus. Der große Besitz wurde anschließend im Versteigerungswege zerstückelt. Das Stammhaus ging an Elisabeth Falger, im Jahre 1847 an den Handelsmann Johann Sprenger von Berwang über, nach dessen Ableben auf seine Geschwister und im Jahre 1858 auf Philipp Sprenger.

Am Erker des Hauses findet sich das Familienwappen und der an die Renovierung erinnernde Spruch:

"Zweihundert Jahr in Sturm und Strauß
Bewegter Zeiten hielt ich aus,
Und bleib, obwohl verjüngt und neu,
In Heimatlieb und Heimattreu
Für immer ein Tirolerhaus!"


Das Dengelhaus spielte der Überlieferung zufolge auch im Sturmjahr 1809 eine Rolle. Als im August der württembergische Major von Obernitz mit 120 Mann nach Reutte kam und die Soldaten Spottlieder auf die Tiroler sangen, erhoben sich die darüber empörten Bauern der Umgebung und drangen unter Sturmgeläute von allen Seiten gegen den Kornmarkt (Schranne) in Reutte vor. Der kommandierende Major soll von einem Fenster des ersten Stockes im Strelehaus gerade seine Krieger zum Kampf ermuntert haben, als ihn im selben Augenblick die Kugel eines Scharfschützen tötete.

1920 erbt der Heimatforscher und Gelehrte Dr. Ignaz Philipp Dengel das heute nach ihm benannte Haus und übergibt es im Jahr 1955 für soziale und kulturelle Zwecke der Marktgemeinde Reutte.

2018 wird das historische und denkmalgeschützte Gebäude durch das Tiroler Friedenswerk ein weiteres Mal saniert. Es entstehen Geschäftsräume, Büros und auch Wohnungen. Die baulichen Tätigkeiten werden 2020 abgeschlossen.

 
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Grän / Präsident Muigg Ehrenbürger von Grän (1949)
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 10.11.2021, 16:55:31 »
Tiroler Bauern-Zeitung vom 6. Jan. 1949

Der Gemeinderat von Grän hat in einer frü­heren Sitzung Landeshauptmann Dr. Weißgatterer und Ök.-Rat Muigg für ihre Verdienste an dem Wiederaufbau von Grän zu Ehrenbürger ernannt. In feierlicher Weise wurde nun kürzlich Präsident Muigg in Anwesenheit von Landesrat Dr. Lugger, Bezirksobmann Ahorn, Ob.-Reg.-Rat Dr. Knittl, Reg.-Rat Dr. Matz und vieler Gäste das künstlerisch ausgeführte Ehrenbürgerdiplom überreicht. Leider war der Landeshauptmann durch Krankheit verhindert. In den verschiedenen Reden von Landesrat Dr. Lugger, Bezirksobmann Ahorn und Bürgermeister Wötzer wurde dem Geehrten der Dank für seine Leistung ausgedrückt.
Präsident Muigg betonte in seiner Erwiderung, daß auch Grän ein Beispiel dafür sei, wie mutige Selbsthilfe nicht nur einen Ausweg aus der Not, sondern auch die Unterstützung aller findet, die Helfen können. Er verwies darauf, daß auch die anderen großen Projekte im Außerfern nur dann gelingen würden, wenn die Bewohner selbst ihr Möglichstes tun, wie es die Grüner taten.


Interessant an dem Bild von A. Gehring etwa aus dem Jahr 1953 ist das augenscheinlich als Turm anzusprechende Gebilde direkt vor dem großen Gebäude in der Bildmitte.
Vielleicht kann jemand etwas zum Verwendungszweck dieses Turms sagen?



 
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Wängle / Tod in der Höll (1932)
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 29.10.2021, 21:44:50 »
Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 5. Feb. 1932

Beim Heuabtragen tödlich verunglückt. Am 2 ds. waren die Bauern Karl Singer und Martin Weihrather aus Holz, Gemeinde Wängle, mit Heuabtragen beschäftigt. Sie arbeiteten auf einer Wiese, die unterhalb der Lech-Aschauer Alpe liegt. Karl Singer glitt am hartgefrorenen, steilen Hange aus und stürzte über eine zirka 120 Meter hohe Felswand ab. Mit zerschmetterten Gliedern blieb er unten liegen. Der Tod war, als man zur Stelle kam, bereits eingetreten. Singer und Weirather arbeiteten seit 8 Uhr früh auf der Wiese „Mittelegg". Um zirka 10 Uhr stellte Weihrather die Arbeit ein und begab sich nach Hause. Als Singer gegen 11 Uhr noch nicht heimgekehrt war, hielt er nach diesem Nachschau und fand ihn tot im Bachbette in der sogenannten „Höll". Er war von einem allgemein als die „Nase" bezeichneten Felsvorsprung abgestürzt. Mit Hilfe mehrerer Ortsbewohner brachte er den Toten in dessen Wohnung.



 
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Holzgau / Schmiedeeiserne Grabkreuze (1947)
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 25.10.2021, 11:27:56 »
Aus: Tiroler Bauern-Zeitung vom 27. Nov. 1947

Am Holzgauer Ortsfriedhof finden wir eine Reihe interessanter Grabkreuze aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts, stilistisch der Übergangszeit von Empire- und Biedermeierzeit angehörig. Die Kreuze wurden um die Mitte des vorigen Jahrhunderts von Josef Anton Lumper gemacht, der ursprünglich die Schlosserei gelernt hatte, später aber eine Gastwirtschaft in Holzgau betrieb. Es würde sich lohnen, diese Kreuze etwas besser zu betreuen und vor dem Verderb zu schützen. Sie können mit Fug und Recht als gute Volkskunst angesprochen werden.

Holzgau und Pimig - Verlag Kaufhaus Hammerle


Der 1. in Holzgau tätige Schlosser war Johann Anton Lumper - geboren am 11. Jänner 1784 - Sohn von Christian Karl Lumper (Reutte) und Maria Anna (geb. Jäger; Bichlbach), dessen Sohn Josef Anton war als Kunstschlosser mit einer großen Begabung ausgestattet. Johann Anton verstarb am 17. Juli 1853 in Holzgau.

Josef Anton - geb. am 9. Jänner 1821 - besuchte zunächst die Zeichenschule in Imst und absolvierte später die Lehre in Augsburg, welche er jedoch abbrechen musste um im elterlichen Betrieb zu helfen. Er war als Wirt, Geldverleiher und Organist weitum bekannt und bekleidete für eine gewisse Zeit das Amt des Kapellmeisters. Das "Schlosserle" - wie er genannt wurde - starb am 13. Nov. 1902 in Holzgau.



 
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Ehrwald / Neue Erzaufschlüsse (1911)
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 24.10.2021, 16:17:17 »
Aus: Innsbrucker Nachrichten vom 19. Juli 1911

Artikel über "Neue Erzaufschlüsse in Tirol" von M. v. Isser, autor. Bergbau-Ingenieur in Hall i. Tirol

Negelseekar bei Ehrwald. Am obersten Ende des Gaistales bebaut die Firma F. H. Dudek Söhne in Bernsdorf (Ober­lausitz, nächst der Ehrwalder Alpe), ein Blei- und Galmeierz-Vorkommen in dolomitischem Kalke von bedeutendem Umfange, das gleichfalls zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Die hier geförderten Bleierze hatten 60—65 Prozent Blei- und die Zinkerze (Galmeierze) 45—55 Prozent Zinkmetall, und sind namentlich letztere von ausgezeichneter Güte. Zur Zeit werden in unverritzter Teufe mittels eines tiefen Unterbaustollens Neubauaufschlüsse bewerkstelligt, nach deren Durchführung eine Drahtseilförderbahn von der in 1745 Metern Seehöhe gelegenen Grube nach dem Dorfe Ehrwald (von etwa 4 1/2 Kilometer Länge) hergestellt und daselbst eine Aufbereitungswerkstätte für ungefähr 30 Tonnen tägliche Haufwerksverarbeitung erbaut werden wird. Die in Bau begriffene Bahnlinie Reutte-Garmisch wird dem Unternehmen sehr förderlich sein.

Gemeint war das Igelseekar!

Partie in Ehrwald - Verlag J. Sonnweber - vmtl. 1911


 
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