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rund um das Außerfern / Algäuer Mundarten (1912)
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 14.06.2022, 12:52:49 »
Aus: Münchner neueste Nachrichten vom 3.3.1912

"...der geographische Begriff 'Algäu' wird meist zu eng gefaßt; man versteht darunter gewöhnlich nur die bayerischen Algäuer Alpen mit dem dazu gehörigen Vorlande. Zum Algäu ist aber noch zu rechnen der große württembergische Teil, der Bregenzerwald, sowie das ganze Lechtal in Tirol. Von den Mundarten nun sind zwei Hauptteile zu unterscheiden, die auch dem Fremden auffallen: das Algäuer Allemanisch und das Algäuer Schwäbisch. Eine ziemlich scharfe Grenze trennt die beiden Mundarten, die etwa von Reutte in Tirol bis Isny in ostwestlicher Richtung zieht, um von hier aus eine mehr nördliche einzuschlagen.

Der Unterschied beruht nicht auf Stammesunterschiede, er ist wohl durch den Einfluß benachbarter Mundarten hervorgerufen worden. Das Algäuer Allemanisch ist dem Tonfall nach kein singendes Sprechen, wie wir dies beim Schweizer gewohnt sind, und ist von allen deutschen Mundarten dem Mittelhochdeutschen am nächsten verwandt..."
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Lechtal / Philipp Jakob Karrer und das Lechthal (1845)
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 13.06.2022, 20:53:51 »
Auszugsweise aus: Wegweiser für Wanderer im Algäu, Lechthale und Bregenzerwalde (Philipp Jakob Karrer; 1845)

...südlich gegen Nantes (Namlos) das freundliche Thal Fallerschein mit 48 Sennhütten...

fallerschein val ursina bärental
48 Hütten sind es heute nicht mehr - Charme hat es aber immer noch

Hinterhornbach

Merkwürdig ist die über den Jochbach geschlagene Brücke mitten im Dorfe, die Guflerbrücke. Sie besteht aus drei neben einander gelegten langen Baumstämmen, die ohne Geländer frei auf zwei von der Natur gesetzten Felsenpfeilern ruhen über einer Tiefe von 186 Schuh...

jochbachschlucht jochbachtal hinterhornbach
186 Schuh entsprechen knapp 60 Metern - so weit blickt man von der Brücke in die Schlucht des Hornbachs hinab

Der Rauterhof

...immer mehr beengt sich nun die Thalstraße [und schon bald] steht man vor dem Rauterhofe im Guntschau (Gutschau), dem ältesten Hause des Lechthales...

Wohlstand und Glockengießereien

...hier beginnt die eigenthümlich hübsche Bauart der Wohnhäuser, von jedem Fremden bewundert, so wie im Betriebe regsames Leben, daher auch auffallend besserer Wohlstand, mit mehreren Gelb- und Glockengießereien besonders derer von Ulseß und Comp., die auch auswärts z. B. in Kempten solche betreiben...

Severin Scheidle - gestorben am 7. März 1830 - gilt als der erste Glockengießer in Häselgehr. In jungen Jahren als Maurer im Ausland, erlernte er das Handwerk in den Glockengießereien von Memmingen und Kempten.

Der Dingstuhl

...stromaufwärts kommt Stockach [...] mit mehreren Oertchen, darunter der Dingstuhl in Seesumpf, woselbst in der grauen Vorzeit für das ganze Lechthal Gericht gehalten wurde...

burgstall seesumpf benglerwald gerichtsstätte dingstatt
am sogenannten Burgstall bei dem Weiler Seesumpf - dem einstigen Ort der Dingstatt des Lechtals

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Lermoos / Hochdruckwasserleitungen in Außerfern
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 03.06.2022, 19:26:48 »
Aus: Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 26. Feb. 1910

In diesem Gebiete macht sich jetzt ein reges Bestreben auf Errichtung von Wasserleitungen geltend. Teils sind es Herstellungen von neuen Hochdruckleitungen und teils weitere Ausgestaltungen. Voran gehen die Gemeinden Nesselwängle und Lermoos mit der Anlage neuer Hochdruckleitungen. Es ist selbstverständlich, daß den Gemeinden ein solches Bestreben nur dann möglich ist zur Ausführung zu bringen, wenn sie hiebei auch die Unterstützung des Reiches und Landes finden.
Es ist besonders schwer, groß angelegte Unternehmungen dieser Art. wie dies z. B. in Lermoos der Fall ist, bei der gegenwärtigen Knappheit von Mitteln sowohl im Reiche, wie im Lande durchzubringen. Den wiederholten Vorstellungen unseres Abgeordneten P. Unterkircher ist es gelungen, für die Leitung in Nesselwängle einen Beitrag von 4500 K und für jene in Lermoos einen solchen von 12.000 K vom k. k. Ackerbauministerium zu erwirken. Es steht weiters zu erwarten, daß zu diesem Beitrage von zusammen 16.500 K nun auch noch das k. k. Ministerium des Innern einen Beitrag leisten und schließlich auch noch das Land aus seinem Kredite zu diesem Zwecke eine Zuwendung machen wird. Die nächstfolgenden Leitungen sind jene von Häselgehr, Höfen und Forchach, von denen bei den zwei ersteren die gesamten Vorerhebungen auch bereits ihrem Abschlusse nahekommen. Der Weg ist mitunter infolge von mannigfachen Schwierigkeiten ein harter, aber die obigen Beispiele bezeugen wieder, daß man mit Ausdauer und Zielbewußtheit doch zu einem günstigen Resultate gelangt.


ein Haus bei Lermoos etwa 1910 - Foto: privat


 
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Allgemeine Fragen und Themen zur Außerferner Geschichte / Antw:alte Karten
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 28.05.2022, 19:06:25 »
Gefürstete Grafschaft Tirol mit Vorarlberg - bearbeitet v. C. Gräf - 1864 (3,5 Mb)


 
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rund um das Außerfern / Eine alte Oberinntaler Familie
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 21.05.2022, 18:46:49 »
Aus: Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 9. Januar 1932

Obermieming im Oberinntale ist die Heimat der Familie Hirn. Schon Ende des 18. Jahrhunderts hören wir von einem Edmund Hirn (geboren 10. August 1743, Urgroßvater des Historikers Josef Hirn). Als nämlich Kaiser Josef II., um der über den gefährlichen Stieglerberg unweit Pinswang führenden Poststraße von Reutte nach Füssen eine bessere Richtung zu geben, in den Jahren 1782 bis 1784 eine neue waagrechte Straße von der St.-Ulrichsbrücke an längs des kreisförmig fließenden Backes zu bauen beschloß, beauftragte er den Straßenbaumeister Edmund Hirn, einige Meter aus dem Felsgestein herauszusprengen und den gewonnenen Weg mit der alten Straße am Fuße des Stieglerberges zu verbinden. Edmund Hirn führte die gestellte Aufgabe vorzüglich durch, sein Name ist heute noch auf einer weißen Marmortafel, in die Steinwand eingelassen, zu lesen.

Ein Zweig der Familie befaßte sich mit der Holzgewinnung und Holzlieferung und brachte es zu großem Wohlstand. Im Jahre 1866 bestand zu Mieming eine „Oberinntalische Holzkompagnie", deren Eigentümer Josef, Roman und Tobias Hirn waren. Sie beschäftigte eine große Zahl von Holzknechten, Schiffsleuten und Fuhrwerkern, das „Hirn-Holz" war im ganzen Lande bekannt und gesucht.

Der Firmachef Josef Alois Hirn, geboren 2. November 1766 als Sohn des Edmund, ließ im Jahre 1809 nicht nur sein ganzes Personal zu den Fahnen Andreas Hofers ziehen, sondern stellte sich auch selbst als Hauptmann an die Spitze der Petersberger Schützenkompagnie, weshalb ihn die bayerischen Behörden in das „Verzeichnis der Verbrecher des Innkreises" aufnahmen. Nach erfolgter Kriegserklärung nahm Josef am 10. April 1809 die ärarischen Kassen in Reutte im Namen des Erzherzogs Johann in Beschlag, rückte, wie schon 1797, ins Feld und unterstellte sich dem Kommando Joses Speckbachers. Er stand im Mai 1809 als Vorpostenkommandant in Vomp und sandte am 16. Mai einen reitenden Boten nach Innsbruck mit einem Schreiben, an den General Ignaz Freiherrn von Buol-Bernberg, worin er die Ankunft eines bayerischen Trompeters mit der weißen Fahne bei den Vorposten am Vomperbache mitteilte und bat, ihm eiligst zwei österreichische Offiziere zu senden. Weiters gibt er bekannt, daß zwei aus dem bayerischen Lager zurückgekehrte Tiroler Bauern angaben, es sei Waffenstillstand. Die Innsbrucker Schutzdeputation öffnete das Schreiben und sandte es dem FMLt. Chasteler. Als Antwort erhielt er am 18. Mai, 1 Uhr früh, den Auftrag, folgenden Morgens, etwa um eine angemessene Zeit vor Ablauf des Waffenstillstandes, durch einen Trompeter mit den bayerischen Truppen zu parlamentieren, eine Unterredung mit dem bayerischen General zu verlangen, dann eine Verlängerung des Waffenstillstandes auf 24 Stunden durchzusetzen, sowie das Resultat hievon sogleich durch einen Kurier zu berichten und inzwischen die Sturmmannschaft zur Ruhe zu weisen.

Hirn gehörte zu den besonnenen und geachteten Männern, welche ihre kampflustigen Leute möglichst beruhigten und den Auftrag der Schutzdeputation pünktlich vollzogen. Am 16. Juni 1809 finden wir Hirn mit seiner Mannschaft in der Scharnitz, sein Vetter Tobias (geboren 15. Juli 1764), stand mit den Schützen von Mieming zu dieser Zeit in der Leutasch. Als Josef Speckbacher im Herbste 1813 die Tiroler wieder zum Aufstand aufwiegelte, wandte er sich in einem Briefe vom 10. September auch an Josef Hirn, damals in Barwies, und enthüllte ihm seine Pläne mit dem Zusatze, daß es sich nicht so sehr darum handle, die bayerischen Beamten zu vertreiben, als vielmehr das Land ohne Waffengewalt dem Kaiser von Oesterreich zurückzugeben. Mit Berufung auf das große Ansehen, das Hirn im ganzen Oberinntale genoß, mit der Versicherung, daß die Nachwelt ihm ewigen Dank wissen werde, ersuchte Speckbacher den ehr­samen Holzhändler, am 14. September, 2 Uhr früh, mit seinen Holzarbeitern sich auf das bei Reith (bei Zirl) stehende bayerische Bataillon zu stürzen und alle bayerischen Beamten als Geisel für die von den Bayern abgeführten Tiroler abzufangen; falls die Truppen sich nach Innsbruck zurückzögen, sollte Hirn ihnen schleunigst folgen und überdies auch sorgen, daß im gleichen Augenblicke auch die Beamten im übrigen Oberinntale aufgehoben würden. Der Feuerkopf „Spöck" knüpfte daran die Mahnung, gute Mannszucht zu wahren, damit ihn die Feinde keiner „Revolution" beschuldigen können. In einer Nachschrift verkündete Speckbacher die nahe Ankunft des Erzherzogs Johann und des Landeskommissärs Anton von Roschmann und ordnete die Verwahrung und Versiegelung der staatlichen Vorräte und Kassen an. Hirn, ein kluger Geschäftsmann, billigte aber Speckbachers Plan nicht, da er dessen Mißlingen voraussah, und blieb daheim. Eine ihm für seine Besonnenheit später von der bayerischen Regierung angetragene Auszeichnung lehnte Hirn aber rundweg ab.

Josef Alois hatte einen Vetter Josef, der im Jahre 1809 Straßenbau-Ingenieur in Imst war. Im Jahre 1819 finden wir den Josef Alois als Leiter des Hof-, Bau-, Inge­nieur-Amtes in Innsbruck, seinen Sohn Josef Anton (geboren 1795, gestorben 1838 in Imst), als Baudirektions-Praktikanten in Imst. Josef Alois war mit Brigitta Hirn (geboren 11. Oktober 1773, Tochter des Anton Hirn, also seiner Kusine), vermählt. Josef Alois starb am 12. Oktober 1839.

Alois Hirn, Sohn des vorerwähnten Josef Alois, war geboren am 29. August 1796, ließ sich in Sterzing nieder und wurde dort Straßenmeister und Oberschützenmeister, in welcher Eigenschaft er am 17. August 1838 den Kaiser Ferdinand auf dessen Durchreise durch Sterzing begrüßte.

Prof. Josef Hirn, Sohn des Alois und der Therese Hirn, geborenen Insam-Stolz, war geboren am 19. Juli 1848 in Sterzing. Er widmete sich dem Studium der Geschichte, wurde 1886 an die Universität Innsbruck und 1897 an die Universität Wien berufen. Sein unübertreffliches Werk „Tirols Erhebung im Jahre 1809", das er in Patsch (Gedenktafel an dem Hause, am 15. August 1927 enthüllt) verfaßte, muß als Meisterleistung bezeichnet werden. Auch seine großen Werke über den Kanzler Bienner, Erzherzog Ferdinand ll. und Erzherzog Maximilian, den Deutschmeister, haben Ewigkeitswert. Josef war mit Adele Schnei­der (geboren 1857, gestorben Bregenz 5. September 1930), vermählt. die Ehe blieb kinderlos. Seine Schwester (geboren 23. Juli 1851 in Sterzing), war mit dem Schulrate Josef Damian (geboren 7. Oktober 1851 in Thiersee, gestorben Innsbruck 5. Mai 1930) vermählt und starb im Jahre 1905. Nach Josef Hirn wurde in Innsbruck am 10. Mai 1924 eine Straße getauft; er starb zu Bregenz am 7. Februar 1917.

Marian, geboren 22. November 1857 in Innsbruck, Bruder des Josef, widmete sich dem Justizdienste, war lange in Kufstein tätig, kam dann zum Oberlandesgericht Innsbruck, wurde dort Oberstaatsanwalt und Hofrat und lebt jetzt im Ruhestände in Innsbruck. Seine Tochter Helene Hirn lebt seit 18. Oktober 1921 als gefeierte Sängerin in Amerika, wo sie mit dem Univ.-Prof. Rinoldo Michels vermählt ist.

Ferdinand, geboren 23. Dezember 1875 in Silz, als Sohn des Bauers Vinzenz, gestorben 14. April 1915 in Innsbruck, Vetter des Josef, war Mittelschulprofessor und hat seiner Heimat ein großes Werk „Tirol 1809 bis 1814" hinterlassen. In Silz hatte die Familie Hirn lange Zeit die Postmeisterei inne, so Josef und Ferdinand Hirn, dessen letzter Bruder, der Forstmeister Edmund Hirn (geboren 1854) am 17. Februar 1928 in Silz starb.

Aus der gleichen Familie stammt der hervorragende Kupferstecher Marian Hirn, geboren 1. Juni 1780 in Obermieming, gestorben am 11. August 1801 in den Hofstallungen Nr. 1 in Wien, aus der Laimgrube, an Nervenfieber. Er war ein Stiefbruder des Schützenhauptmannes Josef Alois und ein Großonkel des Historikers Josef Hirn. Er hat sich als Schüler der Kunstakademie in Wien so ausgezeichnet, daß er schon nach einem Unterrichte von neun Monaten den ersten Preis erhielt. Er starb, kaum 80 Jahre alt. Sein Porträt des berühmten Sängers Marchesi in Wien, gibt eine Probe seiner großen Kunst. Ein anderer Marian Hirn, geboren 16. November 1801, Bruder des Alois, daher Onkel des Historikers, gestorben in Ladis im Oberinntale am 27. Februar 1858, war seit 1844 Seelsorger in Ladis, das in ihm einen großen Wohltäter verehrte. Sein segensreiches Wirken lebte in der Erinnerung der ganzen Gegend lange fort. Ein Franz Hirn war Kanonikus in Brixen und widmete als letzter Mitkämpfer von Spinges den auf dem Friedhofe zu Spinges (1797) begrabenen Tiroler Freiheitshelden im Jahre 1848 eine schöne Gedenktafel. Eine Franziska Maria Hirn war 1819 Präfektin des Ursulinenklosters in Innsbruck, ein Josef Hirn war im Jahre 1848 Landrichter und Tiroler Landtagsabgeordneter von Klausen.

So finden wir in allen Jahrzehnten der letzten drei Jahrhunderte Mitglieder dieser alttirolischen Familie in hervorragenden Stellungen in ihrer Heimat. Der uns vorliegende Stammbaum reicht bis Peter Hirn (1652) zurück: unter den angeheirateten Verwandten finden wir den Tiroler Dichter Kaspar Speckbacker (geboren 3. Juni 1819 in Obermieming, gestorben dort am 24. September 1899), dessen Mutter Johanna Hirn war, dann den Landrichter von Reutte, Balthasar Marberger, der mit Maria Theresia, Tochter des Roman Hirn, vermählt war.
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Tannheimer Tal / Eine Statistik (1820)
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 19.05.2022, 20:13:47 »
Der Bote von Tyrol vom 28. Dez. 1820

"...das Thal Tannheim hat ohne Zweifel seinen Namen von der Menge der Tannenbäume, die, bevor es kultivirt worden ist, da gestanden haben. -  Aus den noch bestehenden Benennungen einiger Plätze, z. B. am obern Hof — Höfle u. s. w. kann geschlossen werden, daß es ursprünglich eine Alpe war, wo viel Vieh untergebracht werden konnte; denn es ist bei vier Stunden lang. Rechts und links ist es mit mäßig hohen Gras- oder Holztragenden Bergen eingeschranket, die an dem breitesten Orte eine halbe Stunde von einander stehen. — Gegen Morgen gränzet es an das Gericht Aschau (Lechfluß), gegen Mittag an die Lechthaler Gebirge, gegen Abend und Mitternacht an Oberschwaben (oder Neubaiern.)

Der Bewohner Tannheims mag wohl seinen Ursprung einem Hirtenvolke zu verdanken haben, welches sich zuerst an den fruchtbarsten Orten niedergelassen, und immer mehrere herbeigezogen hat. Im Jahre 1377 war die Zahl der Bewohner schon so groß, daß Buchardus, Bischof zu Augsburg, auf das unterthänige Anlangen dieses Volkes ohne Anstand ihm einen selbstständigen Seelsorger (Pfarrer) bewilliget, und von den Verbindlichkeiten gegen die Pfarrei Sonnthofen losgesprochen hat.

Die weltliche Gerichtsbarkeit war Montfortisch. Erst im Jahre 1485, am Montage nach Maria Geburt, hat der Graf Hugo von Montfort der ältere diese Pfarrei an den Erzherzog Sigmund von Oesterreich um 4000  fl., 300 Pfund Kupfer und zwei Wagen Wein von Tramin und Kaltern, nebst den österreichischen Lehen in Langenargen verkauft.

Jetzt zählet die Pfarre Tannheim 486 Häuser, wovon der größte Theil von Holz gemacht ist, und 2202 Einwohner. — Die Haupt- oder Kirchdörfer sind: Nesselwengle, Grän, Unter- und Oberhöfen, Zöblen und Schattwald, nebst andern Nebendörfern und Weilern. Mitten durch diese Dörfer (Grän ausgenommen, welches seitwärts auf einer Anhöhe stehet) gehet eine gute und feste Landstraße über den Jochberg nach Hindenlang in Neubaiern. Ungefähr eine kleine Viertelstunde von Schattwald stehet der Gränzzoll Vilsrain. Die eigentliche Gränze ist aber mehr in der Anhöhe bei dem Weissenbach genannt.

Der Einwohner nähret sich a) durch Kunstfleiß. Sehr viele Mannspersonen ziehen im Sommer ins Ausland, und verdienen sich ihr meistes Geld durch Stokkatoren, Weißputzen, Mauren, Steinhauen, Zimmern u.s.w. Manches ausländische Geld fließt dadurch dem Thale zu; doch auch mancher gute Arbeiter macht sich im Auslande ansäßig, und Geld und arbeitende Hände werden dem Thale entzogen. — b) Durch die Zucht des jungen Viehes, welches von den Ausländern sehr gerne aufgekauft wird. — c) Durch das Spinnen. Weil in guten Sommern der Flachs gut fortkömmt, wird Flachs angebauet, und Halbfäden (Schnöller) zum Verkaufe gesponnen. — Auch viele wüßten zu sticken, auszunähen und zu weben, wenn diese Produkte gesucht wären, oder eine Fabrik zu diesem Zwecke errichtet würde. — Endlich d) durch den Anbau der Felder mit Gerste, Haber und Kartoffeln. Roggen und Waitzen wachsen zwar, aber nur in einem recht guten Sommer kommt diese Gattung von Früchten zur Reife. — In den Jahren 1814, 1815 und 1816 sind nicht einmal Gerste und Haber abgereifet. —

Die Merkwürdigkeiten sind zuförderst die Pfarrkirche, welche ganz symmetrisch gebaut ist, und 7 Glocken hat, wovon die schwerste 90 Zentner wiegt. Sie stehet in Unterhöfen. — Drei Seen sind vorhanden, die gute Forellen, Selbling, Hechten, Renken u.s.w. liefern. Zwei Sennalpen und sieben Hochalpen, in welchen manche Naturschönheiten, Wasserfälle u.s.w. angetroffen werden..."


Blick über Innergschwend nach Tannheim und zum Gaishorn


 
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Lechtal / Über die Wanderungen der Tyroler
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 17.05.2022, 19:18:27 »
Aus: Österreichische Monatsschrift - März 1793

"...reicher als die wandernden Handelsleute aus Tesino und Mittewald, aber auch karger (weil sie wissen, welchen hohen Preis jeder Pfennig in ihrem höchst unfruchtbaren Thale hat,) sind die Bewohner des Lechthales, welche mit kleinen Spielereyen, als da sind die Nürnberger Quincaillerie-Waaren, ihren Handel bis nach Holland treiben, und selbst in Amsterdam, in Haag u. s. f. Buden aufschlagen. Oft sind die Lechthaler zwey Jahre nach einander vom Hause entfernt, ja fast wollt' ich behaupten, es sey kein einziger Greis, zumahl im Ober-Lechthale, der nicht wenigstens zehn Jahre während seiner ganzen Lebenszeit außer Tyrol zugebracht hätte. Daher kommt es, daß die Dörfer des Lechthales zur Zeit des Spätherbstes, in welcher auch die nach Maria Einsiedlen wallfahrtenden Lechthalerinnen abwesend sind, dem menschenfrohen Wanderer wie ausgestorben scheinen; daher kommt es ferner, daß, wenn man zu einer andern Jahrszeit, z. B. im Februar, sich in diese schaudervollen Klippen wagt, man oft in einem einsamen Felsenhäuschen unter der lodenen Bauerjacke (die der Lechthaler-Handelsmann wieder anzieht, so bald er in seinen Geburtsort kommt,) einen Mann von ungemeiner Geistesgegenwart und Menschenkenntniß nicht ohne Verwundern kennen lernt..."

Ansicht von Holzgau - Foto: J. Heimhuber - 1907


 
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Grän / Biere-Zelte (1928)
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 16.05.2022, 19:54:20 »
Aus: Außferner Bote vom 4. Jänner 1928

"...trüb und nebelig zeigte sich das Jahresende und Beginn. Der Abschied des alten wurde mit Zeltenschießen und Zeltenwatten gefeiert. Den Beginn des neuen kündete das Rattern und Knattern vor den Fenstern der holden Dorfweiblichkeit, das bis in die frühen Morgenstunden währte. Galt es doch, der Herzensflamme die erste Aufmerksamkeit im neuen Jahre zu erweisen, wohl auch, um von derselben zum Anschneiden des „Biere -Zelte" in die Stube geladen zu werden, was als besonderes Zeichen ihrer Gunst empfunden wird und zu neuen Hoffnungen berechtigt. Tagsüber statten sich dann die Nachbarn gegenseitig ihre Neujahrsbesuche ab und erhalten dann ebenfalls „Bierezelte" nebst einem Gläschen Gebrannten vorgesetzt. So heischt es nämlich altes Brauchtum . Die Schuljugend aber hält an ihrem Recht des Neujahranwünschens fest und stürmt, der eine dem anderen die Türklinge bietend mit dem Gruße „i wünsch a guats nuis Jahr" zur Tür herein, gleichzeitig mit dem Geldtäschchen in Händen, den üblichen Obolus fordernd..."

der Vilsalpsee im Winter 1939 - Foto: Erika Schmachtenberger


 
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Weißenbach / Unglücksfall beim Holztriften (1870)
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 07.05.2022, 19:46:22 »
Aus: Tiroler Volksblatt vom 28. Mai 1870

Am 14. Mai wurde eine größere Parthie Sägeholz aus der Gröber-Waldung (in Pfafflar) bei stark angeschwollenem Wasser des Lech gegen Reutte getriftet. Unter Weissenbach fiel ein Jüngling aus Stanzach (Reservist) mit Triften in den Lech, der ihn mit fortriß, ohne daß die Mitarbeiter, die das Unglück nicht gleich bemerkten, ihn mehr retten konnten. Bei Höfen ward die Leiche ausgeworfen.

am Lech bei Weißenbach - Foto: privat - 23. Sep. 1944 (Radreise)


 
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Breitenwang / Opfer einer Unsitte (1940)
« Letzter Beitrag von Kalle Eberle am 03.05.2022, 19:48:43 »
Aus: Innsbrucker Nachrichten vom 23. Sep. 1940

Der zwölfjahrige in Mühl bei Reutte als Hirte beschäftigte Roland Jäger aus Oetzerau hängte sich in der Nähe vom Hotel „Hirsch" bei einem Frächterauto, das Richtung Mühl fuhr, an. Dort, wo die Straße nach Breitenwang abzweigt, ließ er los, kam zum Sturze und blieb bewußtlos liegen. Zwei Burschen, die den Unfall bemerkten, machten sofort Meldung. Der herbeigerufene Gemeindearzt stellte eine leichte Gehirnerschütterung und Hautabschürfungen fest.

Reutte in Tirol - eigentlich Breitenwang - das Bauern-Idyll (Bauern Idil) - Foto: Ludwig Reiter - gel. 1941


 
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