chronist.verren.at

Dengelhaus

0 User und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Kalle Eberle

  • Administrator
  • *****
    • Beiträge: 195
    • das 'alte' Außerfern

Aufnahme: Ludwig Reiter (1937)
Das Dengelhaus wurde im Jahr 1704 von Johann Ammann, Handelsfaktor in Reutte, offenbar auf der Basis eines Gebäudes aus dem 16. Jahrhundert, erbaut und großzügig als Geschäftshaus und Gastwirtschaft "Zum schwarzen Bären" ausgestattet. Ammann erwarb im Jahr 1719 darüber hinaus das halb verfallene Bad Kreckelmoos, mit dem dazugehörigen weitläufigen Grundbesitz gestaltete er das Gebäude maßgeblich um. Dieses Aussehen hat es bis heute - wenn auch nicht in seiner Bestform - beibehalten.  Ammann brachte das uralte Bauernbad wieder zu ausgesprochener Geltung. Eine Marmortafel mit Wappen am Hauptportal des Dengelhauses erinnert an dieses Geschlecht der Ammann, dessen Grabstätte sich im alten Arkadenfriedhof in Breitenwang befindet.

Der ganze wertvolle Besitz ging dann auf die aus Ber­wang stammende Familie Strele (Strelle) von Strahlburg und Löwenburg über, die sich, wie die Ammann, „Inhaber des Kreckelmooses" nannten. Die Strele betrieben ein Großhandelsgeschäft, waren Bierbrauer und Wirte. Die in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erneuerten Fresken an den Hausfassaden reichen in das Ende des 18. Jahrhunderts zurück.

Die Familiengrabstätte der Strele befindet sich in der von ihr erbauten Arkade des Friedhofes zu Breitenwang. Diese reichbegüterte Familie erlebte einen raschen Abstieg. Die letzten direkten Nachkommen des Reuttener Zweiges der Strele starben im Armenhaus. Der große Besitz wurde anschließend im Versteigerungswege zerstückelt. Das Stammhaus ging an Elisabeth Falger, im Jahre 1847 an den Handelsmann Johann Sprenger von Berwang über, nach dessen Ableben auf seine Geschwister und im Jahre 1858 auf Philipp Sprenger.

Am Erker des Hauses findet sich das Familienwappen und der an die Renovierung erinnernde Spruch:

"Zweihundert Jahr in Sturm und Strauß
Bewegter Zeiten hielt ich aus,
Und bleib, obwohl verjüngt und neu,
In Heimatlieb und Heimattreu
Für immer ein Tirolerhaus!"


Das Dengelhaus spielte der Überlieferung zufolge auch im Sturmjahr 1809 eine Rolle. Als im August der württembergische Major von Obernitz mit 120 Mann nach Reutte kam und die Soldaten Spottlieder auf die Tiroler sangen, erhoben sich die darüber empörten Bauern der Umgebung und drangen unter Sturmgeläute von allen Seiten gegen den Kornmarkt (Schranne) in Reutte vor. Der kommandierende Major soll von einem Fenster des ersten Stockes im Strelehaus gerade seine Krieger zum Kampf ermuntert haben, als ihn im selben Augenblick die Kugel eines Scharfschützen tötete.

1920 erbt der Heimatforscher und Gelehrte Dr. Ignaz Philipp Dengel das heute nach ihm benannte Haus und übergibt es im Jahr 1955 für soziale und kulturelle Zwecke der Marktgemeinde Reutte.

2018 wird das historische und denkmalgeschützte Gebäude durch das Tiroler Friedenswerk ein weiteres Mal saniert. Es entstehen Geschäftsräume, Büros und auch Wohnungen. Die baulichen Tätigkeiten werden 2020 abgeschlossen.

 
« Letzte Änderung: 11.11.2021, 21:00:48 von Kalle Eberle »


 

SimplePortal 2.3.7 © 2008-2021, SimplePortal