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Die Falschmünzer (1882)

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Online Kalle Eberle

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    • das 'alte' Außerfern
Aus: Innsbrucker Nachrichten vom 14. März 1882

"...den Geschwornen drei Falschmünzer vorgeführt in den Personen Alois Geisenhof, 41 Jahre alt, verehelicht, Photograph, Karl Singer, 36 Jahre alt, verehelicht, Metalldreher, und des letzteren Bruder Anton Singer, 33 Jahre alt, verehelicht, Uhrmacher, sämmtliche in Reutte. Die Anklage gegen alle drei geht dahin, dass sie in den Monaten October, November und bis 6. Dec. 1881 in Gesellschaft nach dem in Deutschland gangbaren Gepräge Ein- und Zweimarkstücke, Fünfzig- und Zehnpfennigstücke, sowie österreichische Zehn- und Zwanzigkreuzerstücke in der Weise verfertigten, dass sie in die von echten Münzsorten abgenommenen Gypsformen geschmolzenes Britannia-Silber gossen und diese falschen Münzen in ziemlicher Anzahl im Bezirk Reutte und namentlich im angrenzenden Baiern in Umlauf setzten. Obwohl selbst nach dem Urtheile des Hauptmünzamtes in Wien diese Falsificate nicht besonders gelungen waren, so konnten doch die genannten drei Herren durch mehr als zwei Monate, ja wie die öffentliche Anklage sogar vermuthet, schon seit dem Jahre 1880, zu welcher Zeit Karl Singer ein Gasthaus am Plansee besaß, mit denselben die Leute täuschen und erst der 5. December v. Js. machte die Behörde auf das gefährliche Treiben dieses Kleeblattes aufmerksam. An diesem Tage wurde nämlich die Frau des Karl Singer und die des Alois Geisenhof in Füssen wegen Ausgabe falschen Geldes verhaftet. Sie legten sofort ein umfassendes Geständnis ab, welche dann auch zur Inhaftnahme der drei Obgenannten und zu einer Hausdurchsuchung bei denselben führte, wobei man bei Geisenhof zwei falsche Zweimarkstücke vorfand. Trotz des offenen Geständnisses der beiden vom Schwurgerichte in Augsburg wegen Theilnahme an der Münzverfälschung zu 1 Jahre Gefängnis verurtheilten zwei Weibern beharrten die drei Angeklagten vor den Geschwornen anfangs hartnäckig beim läugnen und schritten erst allmählich zu dem Geständnisse, dass sie Zwei- und Einmarkstücke und Fünfzigpfennigstücke auf die angedeutete Art und Weise fabricierten; die Fabrikation von Zehnpfennigstücken und von österreichischen Zehn- und Zwanzigkreuzerstücken stellen sie auch vor dem Schwurgerichte noch entschieden in Abrede. Den ersten Anlass zu einem Geständnisse nahmen die Angeklagten, als die Bäckers-Witwe Else Knittel aus Reutte freiwillig vor Gericht erschien und aussagte, Geisenhof habe ihr mitgetheilt, er erhalte von seinem Sohne in der Schweiz falsche Markstücke und sie aufgefordert, an der Ausgabe dieser falschen Münzen sich zu betheiligen. Er gebe ihr 100 Stück um 28 fl., welches Anerbieten die Zeugin jedoch ausgeschlagen. Die Anzahl der von den Angeklagten verfertigten Falsificate konnte nicht ermittelt werden, zumal sie selbst darüber keine Auskunft entweder nicht geben können oder wollen: nur Geisenhof gesteht, etwa 100 falsche Zweimarkstücke gegossen und dazu meist alte Löffel aus Britannia-Silber eingeschmolzen zu haben. Die Geschworen - Obmann Herr Otto Hussl, Fabriksbesitzer in Schwaz— bejahten einstimmig die Schuldfragen, nur verneinten sie die auf Fälschung von österreichischen Zehn- und Zwanzigkreuzerstücken gerichteten Fragen; auch nahmen die Geschwornen einstimmig an, dass die Fälschung für jedermann eine leicht kennbare war. Infolge dieses Wahrspruches verurtheilte der Gerichtshof den Alois Geisenhof zu 2 Jahren und Karl und Anton Singer zu je 15 Monaten schweren Kerkers..."

das alte Gasthaus am Plansee - aus: Illustrirter Führer durch Tirol und Vorarlberg; Julius Meurer - 1885


 


 

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