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Der Brand in Nassereith (1930)

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Offline Kalle Eberle

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    • das 'alte' Außerfern
aus: Allgemeiner Tiroler Anzeiger vom 23. Juli 1930 (S. 7)

Sonntag, den 20. Juli, um halb 12 Uhr nachts, erscholl der Ruf: „Feuer, in Greith brennts!" In kürzester Zeit brannte das Haus, in dem die Familien des Theodor Fitsch und Franz Schennach wohnten, samt Stall, Stadel und Werkstätte, lichterloh. Da das Feuer durch das dürre Holzwerk reichlich Nahrung fand, gelang es nicht, das ganze Vieh zu retten und so kamen zwei Schweine in den Flammen um. Ein Herr und eine Dame hatten sich zum Uebernachten im ersten Stock ein Zimmer gemietet. Obwohl die Vermieterin sofort weckte, konnte nur die Dame über die Stiege entkommen, während der Herr durch den Sprung durchs Fenster in den Gemüsegarten sich rettete. Dessen Verletzungen waren verhältnismäßig ge­ring. Bereits traten fünf Hydranten und am nahen See die Motorspritze in Tätigkeit. Es erklang der Ruf: „Die Kinder sind drinnen!" Kooperator Berger und Förster Thöni sprangen ins Haus, erbrachen die Doppeltüre und durchsuchten die Wohnung, jedoch die Kin­der waren schon geflüchtet. Das nächststehende Haus des Alois Föger fing Feuer, konnte jedoch fast unglaublicherweise gerettet werden. Das gefräßige Element griff über auf das Dienstbotenhaus des Posthotels und machte auch vor dessen Eiskasten nicht halt. Telephon und Feuerschein verkündeten die Not. Zum Glück herrschte Windstille. Schulhaus und Kirche hielten stand. Die Häuser in Greith konnten geräumt werden. Mit staunenswerter Schnelligkeit kam Wehr um Wehr gerasselt, so die von Imst, Tarrenz, Obsteig, Mieming, Ehrwald, Lermoos, Biberwier und sogar der Fernzug mit 30 Mann von Landeck in zirka dreiviertel Stunden. Am See ratterten die Motorspritzen von Nassereith, Imst und Obsteig. Die anderen standen in Reserve für den Fall, daß der Wind einsetzen sollte. Glücklicherweise geschah dies nicht, denn sonst wäre wohl der Dorfteil Greith ein Opfer der Flammen geworden. Am Brandplatze versah die Gendarmerie von hier, verstärkt durch zwei Gendarmen von Imst, den Dienst. Sechzehn Schlauchlinien brachten rettendes Naß, so daß gegen 3 Uhr früh die Gefahr als beseitigt gelten konnte. Gedankt sei herzlich sämtlichen Wehren, den Autobesitzern sowie allen Hilfsbereiten. Das ist die zweite Brandnacht innerhalb eines Jahres, abgesehen von vier Kaminbränden. Daß Brandlegung vorliegt, ist wohl außer Zweifel. Wer ist der Täter? Darüber schweigt das Dunkel der Nacht.


Dormitz und Nassereith gegen Karlespitz, Karlekopf und Loreakopf (Zeitschrift d. D.u.Ö.A.V, 1930)


 


 

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