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Eine Statistik (1820)

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Offline Kalle Eberle

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    • das 'alte' Außerfern
Der Bote von Tyrol vom 28. Dez. 1820

"...das Thal Tannheim hat ohne Zweifel seinen Namen von der Menge der Tannenbäume, die, bevor es kultivirt worden ist, da gestanden haben. -  Aus den noch bestehenden Benennungen einiger Plätze, z. B. am obern Hof — Höfle u. s. w. kann geschlossen werden, daß es ursprünglich eine Alpe war, wo viel Vieh untergebracht werden konnte; denn es ist bei vier Stunden lang. Rechts und links ist es mit mäßig hohen Gras- oder Holztragenden Bergen eingeschranket, die an dem breitesten Orte eine halbe Stunde von einander stehen. — Gegen Morgen gränzet es an das Gericht Aschau (Lechfluß), gegen Mittag an die Lechthaler Gebirge, gegen Abend und Mitternacht an Oberschwaben (oder Neubaiern.)

Der Bewohner Tannheims mag wohl seinen Ursprung einem Hirtenvolke zu verdanken haben, welches sich zuerst an den fruchtbarsten Orten niedergelassen, und immer mehrere herbeigezogen hat. Im Jahre 1377 war die Zahl der Bewohner schon so groß, daß Buchardus, Bischof zu Augsburg, auf das unterthänige Anlangen dieses Volkes ohne Anstand ihm einen selbstständigen Seelsorger (Pfarrer) bewilliget, und von den Verbindlichkeiten gegen die Pfarrei Sonnthofen losgesprochen hat.

Die weltliche Gerichtsbarkeit war Montfortisch. Erst im Jahre 1485, am Montage nach Maria Geburt, hat der Graf Hugo von Montfort der ältere diese Pfarrei an den Erzherzog Sigmund von Oesterreich um 4000  fl., 300 Pfund Kupfer und zwei Wagen Wein von Tramin und Kaltern, nebst den österreichischen Lehen in Langenargen verkauft.

Jetzt zählet die Pfarre Tannheim 486 Häuser, wovon der größte Theil von Holz gemacht ist, und 2202 Einwohner. — Die Haupt- oder Kirchdörfer sind: Nesselwengle, Grän, Unter- und Oberhöfen, Zöblen und Schattwald, nebst andern Nebendörfern und Weilern. Mitten durch diese Dörfer (Grän ausgenommen, welches seitwärts auf einer Anhöhe stehet) gehet eine gute und feste Landstraße über den Jochberg nach Hindenlang in Neubaiern. Ungefähr eine kleine Viertelstunde von Schattwald stehet der Gränzzoll Vilsrain. Die eigentliche Gränze ist aber mehr in der Anhöhe bei dem Weissenbach genannt.

Der Einwohner nähret sich a) durch Kunstfleiß. Sehr viele Mannspersonen ziehen im Sommer ins Ausland, und verdienen sich ihr meistes Geld durch Stokkatoren, Weißputzen, Mauren, Steinhauen, Zimmern u.s.w. Manches ausländische Geld fließt dadurch dem Thale zu; doch auch mancher gute Arbeiter macht sich im Auslande ansäßig, und Geld und arbeitende Hände werden dem Thale entzogen. — b) Durch die Zucht des jungen Viehes, welches von den Ausländern sehr gerne aufgekauft wird. — c) Durch das Spinnen. Weil in guten Sommern der Flachs gut fortkömmt, wird Flachs angebauet, und Halbfäden (Schnöller) zum Verkaufe gesponnen. — Auch viele wüßten zu sticken, auszunähen und zu weben, wenn diese Produkte gesucht wären, oder eine Fabrik zu diesem Zwecke errichtet würde. — Endlich d) durch den Anbau der Felder mit Gerste, Haber und Kartoffeln. Roggen und Waitzen wachsen zwar, aber nur in einem recht guten Sommer kommt diese Gattung von Früchten zur Reife. — In den Jahren 1814, 1815 und 1816 sind nicht einmal Gerste und Haber abgereifet. —

Die Merkwürdigkeiten sind zuförderst die Pfarrkirche, welche ganz symmetrisch gebaut ist, und 7 Glocken hat, wovon die schwerste 90 Zentner wiegt. Sie stehet in Unterhöfen. — Drei Seen sind vorhanden, die gute Forellen, Selbling, Hechten, Renken u.s.w. liefern. Zwei Sennalpen und sieben Hochalpen, in welchen manche Naturschönheiten, Wasserfälle u.s.w. angetroffen werden..."


Blick über Innergschwend nach Tannheim und zum Gaishorn


 


 

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