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Waldbrand am Gaichtpaß (1911)

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Offline Kalle Eberle

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    • das 'alte' Außerfern
Mitteilungen des Deutschtirolischen Feuerwehr-Landes-Verbandes von 1911

Weißenbach, Lechtal. Am 12. September entstand oberhalb der neuangelegten Gaichtstraße aus unbekannter Ursache ein Waldbrand, der bei der großen Trockenheit des felsigen Waldbodens sehr bedrohlichen Charakter annahm, sowohl für den großen, waldigen Gaichtberg, als auch für das an dessen Fuß liegende Dorf Weißenbach. Die Sturmglocken kündeten am Nachmittage die Gefährlichkeit des Brandes an. Bis abends konnte jedoch unter Aufgebot aller Kräfte der Löschmannschaft von Weißenbach, Nesselwängle und Tannheim das gefährliche Element lokalisiert werden. Heute, tags darauf, ertönten wieder die Sturmglocken. Das Feuer kam wieder zum Ausbruch und hat die ihm gesetzte Grenze überschritten. Es ist nicht abzusehen, wie weit das gefräßige Feuer noch schreitet, und welche üble Folgen es noch haben wird.
— Von anderer Seite schreibt man uns hiezu: Der überaus trockene Humus begünstigt das Feuer, das sich bereits auf 10 bis 20 verschiedene Plätze verteilt hat. Wie sehr die Bewohner von Weißenbach für ihre Heimat besorgt sind, zeigt folgendes Beispiel: Der Müller gegenüber der Gaichtkapelle stieg schon um 4 Uhr auf das Dach seines Hauses, während ihm drei Frauen fortwährend Wasser über eine Leiter reichen mußten, trotzdem das Feuer noch mehrere Kilometer weit entfernt war. Besonders hervorgehoben zu werden verdient außerdem noch, daß die Gemeinde Schattwald mit der Feuerspritze an der Gaicht erschienen ist, woran allerdings ein Mißverständnis schuld ist, da diesen fernen Bewohnern anstatt eines Waldbrandes nur einfach ein Brand gemeldet wurde. Für das Dorf Weißenbach besteht vorläufig keine Gefahr.
Eine weitere kurze Nachricht vom späteren Abend des 13. September lautet: Das Feuer brennt lustig weiter. Die gezogenen Grenzen (Gräben) wurden überschritten. Man forderte telegraphisch aus Reutte Leute mit Pickeln und Schaufeln. Es scheint also gefährlicher werden zu wollen.


die Mühle unter der Gacht - Zeichnung nach Max Kuhn (etwa 1865)


 


 

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